Impfungen


| Tetanus | Tollwut | Influenza | Herpes | Allgemeines zur Impfung |
zurück zur Übersicht

Pferde werden in Deutschland derzeit gegen vier Krankheiten geimpft: Tetanus, Tollwut, Influenza, Herpes

1. Tetanus
Aus persönlichem Erleben halte ich diese Impfung für die wichtigste und empfehle sie ohne Ausnahme für jedes Pferd.
Die Gründe:
1. Sie ist sicher und verlässlich in ihrer Wirkung.
2. Sie führt in meiner Erfahrung nicht zu Nebenwirkungen.
3. Tetanus ist eine grauenhafte Krankheit mit hoher Todesrate.
Obwohl eine vollständige Heilung durchaus gelingen kann, kommt es beim Tetanus immer wieder auch zu Todesfällen. Nach nervenaufreibenden Wochen für alle Beteiligten steht man dann vor einem am Boden liegenden, immer wieder krampfenden Pferd und wünscht sich, man hätte mit der Therapie gar nicht erst angefangen und dem Patienten und seinen Besitzern eine lange Leidensgeschichte erspart.

Pferde können sich über sichtbare und unsichtbare Wunden (zum Beispiel im Maul, in der Hufwand oder einfach sehr kleine Wunden) mit Tetanus infizieren. Last not least ist die Tetanusimpfung durch die langen Impfintervalle ( nach der Grundimmunisierung nur alle 2 Jahre Auffrischung nötig) sehr kostengünstig.


2. Tollwut
Tollwut beim Pferd ist eine sehr seltene Erkrankung. Sie ist nur durch einen richtigen Biß übertragbar. Nicht jedoch durch Hautkontakt und durch Schnuppern an toten Tieren oder an vermeintlicher Fuchsspucke. Deshalb ist die Infektion eines Pferdes beim Ausreiten wohl fast unmöglich. Darum ist die Tollwutimpfung für ausgesprochene Boxenpferde nicht so wichtig.

Wer sein Pferd dagegen viel auf der Koppel hält, schläft mit gutem Grund besser wenn er es gegen Tollwut geimpft weiß. Nicht zu unterschätzen ist, dass der Amtstierarzt bei einem ungeimpften Pferd auch bei reinem Tollwutverdacht eine Keulung (= Tötung) verlangen kann und, dass es außerdem verboten ist, unter Tollwutverdacht stehende ungeimpfte Tiere zu behandeln, auch wenn sie vielleicht in Wirklichkeit an einer anderen Erkrankung leiden. Tollwutimpfungen werden in der Regel gut vertragen und haben den Vorteil auch ohne wiederholte Impfungen immer ein Jahr ab Impfung gültig zu sein.


3. Influenza
Die Influenza ist durch das viele Impfen in Deutschland glücklicherweise sehr selten geworden. Wenn sie einmal auftritt, breitet sie sich in einem ungeimpften Pferdebestand als fieberhafte Atemwegsinfektion sehr schnell aus. Wegen ihrer rasanten Ausbreitung ist die Influenzaimpfung für Turnierpferde sinnvollerweise Vorschrift. Die Impfung gegen Influenza ist genauso wie die Impfung gegen die Influenza des Menschen nicht 100% sicher, da es verschiedene und immer wieder neue Virenstämme gibt.

Ein Pony oder eine Ponygruppe die zum Beispiel privat im Garten gehalten wird und keinen Kontakt zu anderen Pferden hat, kann sich eigentlich nicht mit Influenza infizieren, und braucht deshalb auch nicht gegen diese Krankheit geimpft zu werden. Ein Reitpferd in einem typischen Reitstall mit Pferdeverkehr natürlich schon. Ein Turnierpferd darf ohne abgeschlossene Grundimmunisierung und ordentliche Wiederholungsimpfungen ohnehin nicht starten.

Leider reagieren manche Pferde auf eine Influenzaimpfung mit einer vorübergehenden Atemwegserkrankung und Husten, manchmal sogar mit Fieber. Meistens, aber nicht immer, handelt es sich dabei um Pferde die ohnehin ein Atemwegsproblem haben.

Gegen die Influenza muss wie folgt grundimmunisiert werden:

Tag I: Impfung I

4 bis 6 Wochen nach I: Impfung II

3 bis 6 Monate nach II: dritte Impfung (Grundimmunisierung abgeschlossen)

6 bis 12 Monate nach III: Wiederholung (und immer so weiter)

Die FN schreibt für Turnierpferde nach erfolgter Grundimmunisierung halbjährliche Wiederholungsimpfungen vor. Die Impfstoffhersteller geben eine bis maximal ein Jahr anhaltende Immunität an, die bei der Influenza jedoch nicht so 100% ist wie bei Tollwut und Tetanus.


4. Herpes
In allen größeren Ställen sind wahrscheinlich einige oder viele Pferde permanent mit dem Herpesvirus infiziert. Das Herpesvirus kann sich nämlich nach der Erstinfektion, die nicht unbedingt mit deutlichen Krankheitsanzeichen verbunden sein muss, im Pferd zurückziehen und bricht dann nur bei besonderer Belastung oder auch gar nie aus.

Die Impfung ist in Ihrer Wirkung recht unsicher. Auch geimpfte Pferde können an Herpes erkranken dies aber natürlich deutlich seltener und im Allgemeinen weniger schwer als ungeimpfte Pferde.

Die Herpesimpfung hat am häufigsten von allen bisher genannten Impfungen Nebenwirkungen die ähnlich den bei der Influenza beschriebenen sind. In meiner Praxis bedeutete dass, das vielleicht 2 von 100 geimpften Pferden mit einer Atemwegssymptomatik reagierten, die jedoch immer wieder verschwand. Manchmal sind für einige Tage nach der Impfung auch Apathie, Fieber und ödeme zu beobachten. Der Wert der Herpesimpfung liegt vor allem in einer krankheitsvermindernden Wirkung auf den gesamten Pferdebestand. Für ernsthafte Züchter ist die Herpesimpfung aller Tiere in einer Gruppe sinnvoll, da die Herpesinfektion eine häufige Abortursache ist.

Das Impfschema ist das gleiche wie bei der Influenza mit dem Unterschied, dass, um eine Wirksamkeit zu ermöglichen, die Auffrischungsimpfungen etwa halbjährlich erfolgen sollen. Eine Impfpflicht gegen Herpes für Turnierpferde besteht nicht.

In unserer Praxis ist die Herpesvirusinfektion als fieberhafte Allgemeininfektion mit Bewegungstörungen bei weitem die häufigste der hier vorgestellten vier durch eine Impfung bekämpfbaren Krankheiten. Sie kann in seltenen Fällen über Lähmungen der Hinterhand oder über eine Enzephalitis (Gehirnentzündung) tödlich enden. Deshalb ist die Herpesimpfung trotz der beschriebenen Nachteile (Nebenwirkungsrisiko, Unsicherheit) für viele Pferde sinnvoll. Pferde die die Impfung gut vertragen und die in Ställen stehen, in denen ein reger Pferdeverkehr (Turniere, Jagden, Neuzugänge) besteht, sollten gegen Herpes geimpft werden.


Allgemeines zur Impfung
Gegen alle vier dieser Erkrankungen an einem einzigen Tag impfen wir nur nach erfolgter Warnung und auf ausdrücklichen Wunsch des Pferdebesitzers. Wir glauben allerdings, dass wenn es bei einem solchen Rundumschlag zu einer unerwünschten Impfreaktion kommt, diese meistens eine Reaktion nur auf den Herpesimpfstoff ist.

Es gibt zwei Impfstoffe in denen Herpes und Influenza zusammengefasst sind (Resequin und Cavallon). Diese Kombinationsimpfungen werden auch gerne "Hustenimpfung" genannt. Husten ist jedoch bei Pferden in Deutschland meist nicht Folge einer Infektion, sondern einer Allergie, deshalb sollte man nicht glauben, man hätte damit sein Pferd vor jeglichem Husten geschützt. Vor allem für die Herpes und die Influenzaimpfung gilt, dass natürlich nur gesunde Pferde geimpft werden sollten. Deshalb sehen wir uns die Impfkandidaten auch genau an und messen im Zweifelsfall Temperatur oder hören die Atemwege ab. Sie sollten uns bitte auch vor der Impfung informieren ob Ihr Pferd hustet oder ob sie Nasenausfluß beobachtet haben.

Nach einer Impfung ist den geimpften Pferden drei Tage mehr oder weniger Ruhe zu gewähren. Bei einer alleinigen Tollwut oder Tetanus Impfung muß dies nicht so streng befolgt werden. Bei der Herpes- und der Influenzaimpfung oder den Kombinationsimpfungen halte ich es jedoch für wichtig wirklich auf Anstrengungen zu verzichten. Koppelgang, ein Ausritt im Schritt oder sogenannte Bodenarbeit wird jedoch auch einem geimpften Pferd nicht schaden. Erscheinen einem geimpfte Pferde deutlich apathisch und ungewöhnlich bewegungsunwillig, sollte man natürlich auf jegliches Reiten verzichten.


Download als pdf, 3 Seiten, 52kB

zurück zur Übersicht